Was ist Mundtrockenheit und wie unterscheidet sie sich von Speichelmangel?
Mundtrockenheit (Xerostomie) ist das subjektive Gefühl, zu wenig Speichel im Mund zu haben. Eine verminderte Speichelproduktion (Hyposalivation) lässt sich dagegen messen. Laut der Übersicht von Villa et al. aus dem Jahr 2015 liegt sie vor, wenn der Ruhespeichelfluss 0,1 ml pro Minute oder weniger und der stimulierte Speichelfluss, etwa beim Kauen, 0,5 bis 0,7 ml pro Minute oder weniger beträgt.
Zum Vergleich: Der normale Ruhespeichelfluss beträgt laut dieser Übersicht etwa 0,3 bis 0,4 ml pro Minute, der stimulierte im Mittel 1,5 bis 2,0 ml pro Minute. Die Autoren einer Metaanalyse von 2026 (Kamnoedboon et al.) betonen, dass Xerostomie und Hyposalivation unterschiedliche Zustände sind, die mit anderen Methoden erfasst werden. Trockenheitsgefühl bedeutet also nicht immer weniger Speichel.
Mundtrockenheit ist häufig. Die Metaanalyse von Agostini et al. aus dem Jahr 2018 mit 29 Bevölkerungsstudien schätzte die Häufigkeit auf 22,0 %, mit höheren Werten in Studien älterer Menschen. In der Metaanalyse von 2026 mit 37 Studien und über 1,6 Millionen Personen über 50 Jahre berichteten 21 % über Trockenheit; ein gemessener Speichelmangel bestand je nach Messmethode bei 12 oder 13 %.
Woher kommt Mundtrockenheit? Ursachen und Hinweise
Meist hat Mundtrockenheit eine oder mehrere Ursachen, die der Zahnarzt oder Arzt anhand von Medikamentenliste, Gewohnheiten, Erkrankungen und früheren Behandlungen ermittelt. Der NHS, der britische öffentliche Gesundheitsdienst, nennt Flüssigkeitsmangel, Medikamente, nächtliche Mundatmung, Angst, Strahlen- oder Chemotherapie und Mundpilz. Bei anhaltender Trockenheit kommen auch Diabetes und Sjögren-Syndrom infrage.
Laut der systematischen Übersicht von MASCC und ISOO aus dem Jahr 2010 (Jensen et al.) schädigt die Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich die Speicheldrüsen abhängig von der Strahlendosis. Trockenheit nach Chemotherapie ist milder und vorübergehend. Die Tabelle fasst Ursachen aus diesen Quellen und Hinweise zu ihrer Erkennung zusammen.
| Ursache | Hinweis | An wen wenden |
|---|---|---|
| Medikamente | Trockenheit nach neuem Medikament oder Dosisänderung | Verschreibender Arzt |
| Flüssigkeitsmangel | Fieber, Hitze, Anstrengung, wenig Trinken | Flüssigkeit zuführen, bei Erkrankung Hausarzt |
| Nächtliche Mundatmung | Trockenheit vor allem nach dem Aufwachen, verstopfte Nase | Hausarzt oder HNO-Arzt |
| Angst | Trockenheit bei starker Unruhe | Hausarzt bei anhaltendem Symptom |
| Bestrahlung im Kopf-Hals-Bereich | Trockenheit nach Bestrahlung der Speicheldrüsenregion | Behandelnder Arzt und Zahnarzt |
| Chemotherapie | Trockenheit während der Behandlung, meist vorübergehend | Behandelndes Team und Zahnarzt |
| Sjögren-Syndrom | Auch trockene Augen, Gelenkschmerzen, starke Müdigkeit | Hausarzt, der zum Facharzt überweist |
| Diabetes | Auch häufiges Wasserlassen | Hausarzt |
| Pilzinfektion im Mund | Schmerzhafte weiße Beläge, unangenehmer Geschmack | Zahnarzt oder Hausarzt |
Welche Medikamente können den Mund austrocknen?
Medikamente gehören zu den häufigen Ursachen: Laut dem US-Institut NIDCR können mehrere Hundert verschiedene Arzneimittel die Speichelproduktion verringern. Die systematische Übersicht von Wolff et al. aus dem Jahr 2017 im Rahmen des World Workshop on Oral Medicine identifizierte 56 Substanzen mit stärkerer und 50 mit mäßiger Evidenz für einen Zusammenhang mit gestörter Speicheldrüsenfunktion, subjektiver Mundtrockenheit oder vermehrtem Speichelfluss. Es handelt sich also nicht nur um Medikamente, die die Speichelmenge verringern.
Die gelisteten Medikamente wirken vorwiegend auf Verdauung, Herz-Kreislauf-System, Urogenitalsystem, Nervensystem und Atmung. Dazu zählen unter anderem Antidepressiva und Antipsychotika, Antihistaminika, Antiepileptika, Blutdruckmittel, Diuretika, Medikamente gegen eine überaktive Blase und manche inhalativen Präparate.
In der Metaanalyse von Srisanoi et al. aus dem Jahr 2026 war Polypharmazie (die gleichzeitige Einnahme vieler Medikamente) bei Menschen ab 75 Jahren mit einer höheren Chance für Mundtrockenheit verbunden (Odds Ratio 2,05); das bedeutet weder doppelt so häufige Mundtrockenheit noch einen Beleg für einen ursächlichen Zusammenhang. Wolff et al. nennen als ersten Schritt einen Wechsel oder das Absetzen, wenn möglich. Das entscheidet jedoch der Arzt; der NHS warnt davor, verordnete Behandlungen ohne Beratung zu unterbrechen.
Mundtrockenheit nachts: Warum ist es morgens schlimmer?
Nächtliche Mundtrockenheit und Trockenheit nach dem Aufwachen entstehen häufig durch Mundatmung im Schlaf, etwa bei verstopfter Nase oder offenem Mund. So beschreibt es der NHS und empfiehlt Wasser am Bett, das in kleinen Schlucken getrunken werden kann.
Vor dem Schlafengehen sinkt der Speichelfluss, und Speichel neutralisiert Säuren weniger gut. Deshalb rät die britische Leitlinie Delivering Better Oral Health, dann süße Zwischenmahlzeiten und Getränke zu meiden. Eine dauerhaft verstopfte Nase sollte beim Hausarzt oder HNO-Arzt abgeklärt werden.
- Stellen Sie ein Glas oder eine Flasche Wasser ans Bett.
- Verwenden Sie im Schlafzimmer einen Luftbefeuchter, wie das US-Institut NIDCR empfiehlt.
- Nehmen Sie Ihre Zahnprothese nachts heraus; der NHS rät davon ab, damit zu schlafen.
- Verzehren Sie süße Speisen und Getränke vor dem abendlichen Zähneputzen, nicht danach.
Sjögren-Syndrom: Wann ist Mundtrockenheit ein Krankheitszeichen?
Beim Sjögren-Syndrom greift das Immunsystem Drüsen an, die Flüssigkeiten produzieren, vor allem Tränen und Speichel. Als Hauptsymptome nennt der NHS trockene Augen und Mundtrockenheit sowie Muskel- und Gelenkschmerzen und extreme Müdigkeit. Frauen erkranken häufiger als Männer.
Das primäre Sjögren-Syndrom ist selten. Die Metaanalyse von Qin et al. aus dem Jahr 2015 schätzte seine Häufigkeit auf etwa 61 Fälle je 100 000 Einwohner, mit etwa 10 erkrankten Frauen auf einen Mann und einem mittleren Alter von 56 Jahren.
Die Diagnose erfordert ärztlich veranlasste Untersuchungen, meist nach Überweisung zum Facharzt. Der NHS nennt Blut- und Augenuntersuchungen, Messung der Speichelmenge, Röntgen der Speicheldrüsen und eine Lippenbiopsie mit kleinen Speicheldrüsen. Die Klassifikationskriterien von ACR und EULAR aus dem Jahr 2016 beinhalten unter anderem einen Ruhespeichelfluss von 0,1 ml pro Minute oder weniger.
Die EULAR-Empfehlungen von 2019 berücksichtigen bei Mundtrockenheit Speichelersatzmittel sowie ärztlich verordnete speichelanregende Medikamente aus der Gruppe der Muskarinrezeptor-Agonisten. Haben Sie neben Mundtrockenheit auch trockene, brennende Augen, informieren Sie Ihren Hausarzt.
Welche Folgen hat Speichelmangel für Zähne, Zahnfleisch und Prothesen?
Speichelmangel erhöht das Risiko für Karies und Pilzinfektionen, denn Speichel spült Speisereste weg, erleichtert das Schlucken und enthält Mineralien, die die Zähne stärken. So erklärt es das NIDCR; der NHS erinnert ausdrücklich daran, dass Karies bei Mundtrockenheit leichter entsteht.
Die Übersicht von Villa et al. aus dem Jahr 2015 nennt außerdem Probleme beim Sprechen, Kauen und Schlucken, schlechteren Prothesenhalt, Geschmacksveränderungen, Mundgeruch und Brennen im Mund. Menschen mit Hyposalivation vertragen scharfe, saure und knusprige Speisen oft schlecht. Mundgeruch und Prothesenpflege im Alter erklären eigene Artikel.
Die britische Leitlinie Delivering Better Oral Health (aktualisiert am 10. September 2025) zählt Erwachsene mit Mundtrockenheit durch Medikamente oder Krebsbehandlung zur Gruppe mit erhöhtem Risiko. Für sie empfiehlt sie täglich eine fluoridhaltige Mundspülung (0,05 % Natriumfluorid) zu einer anderen Zeit als dem Zähneputzen und zweimal jährlich eine Fluoridlackierung. Laut der American Dental Association (ADA) bezeichnen die für Fluoridlack angegebenen 2,26 % den Gehalt an Fluoridionen (22 600 ppm), was 5 % Natriumfluorid entspricht.
Bei aktiver Kronen- oder Wurzelkaries kann laut derselben Leitlinie bis zur Kontrolle der Karies eine verschreibungspflichtige Zahnpasta mit 2 800 oder 5 000 ppm Fluorid erwogen werden. Den Kontrollabstand bestimmt der Zahnarzt nach Risiko: Die Leitlinie nennt 3 bis 24 Monate und empfiehlt kürzere Abstände bei hohem Kariesrisiko.
Zu wenig Speichel: Was lindert die Trockenheit im Alltag?
Die Linderung beginnt möglichst mit der Beseitigung der Ursache. Gegen die Symptome helfen einfache Maßnahmen, die der NHS nennt. Die Leitlinie von ISOO, MASCC und ASCO aus dem Jahr 2021 zur Trockenheit nach Krebsbehandlung bewertet schleimhautbefeuchtende Präparate, Speichelersatz sowie zuckerfreie Lutschpastillen und Kaugummis als hilfreich.
In der Apotheke gibt es Gele, Sprays, Tabletten und Lutschpastillen zur Befeuchtung des Mundes, bei verstopfter Nase auch abschwellende Mittel. Lassen Sie sich bei der Auswahl vom Apotheker oder Zahnarzt beraten. Laut der Übersicht von Villa et al. erhöht Kaugummi den Speichelfluss und verringert die Reibung an der Schleimhaut.
- Trinken Sie über den Tag verteilt kaltes Wasser in kleinen Schlucken.
- Lutschen Sie Eiswürfel oder trinken Sie kühle zuckerfreie Getränke.
- Kauen Sie zuckerfreien Kaugummi oder lutschen Sie zuckerfreie Pastillen.
- Putzen Sie zweimal täglich mit fluoridhaltiger Zahnpasta und verwenden Sie eine alkoholfreie Mundspülung.
- Begrenzen Sie Alkohol, Koffein (Kaffee und Tee) und kohlensäurehaltige Getränke.
- Meiden Sie saure, scharfe, salzige und süße Speisen.
- Rauchen Sie nicht.
- Verwenden Sie bei trockenen Lippen einen Lippenpflegestift.
- Wenn Sie eigene Zähne haben, verwenden Sie keine sauren Speichelersatzmittel.
Wann mit Mundtrockenheit zum Arzt oder Zahnarzt?
Gehen Sie zum Hausarzt, wenn die Trockenheit nach einigen Wochen mit Hausmitteln und Apothekenpräparaten nicht verschwindet, bei weiteren Symptomen schon früher. Der NHS nennt die folgenden Situationen; der Zahnarzt beurteilt zusätzlich Zähne, Zahnfleisch und Schleimhaut.
- Die Trockenheit erschwert das Sprechen oder Essen oder regelmäßige Mahlzeiten.
- Der Mund bleibt trotz mehrerer Wochen mit Hausmitteln und Apothekenpräparaten trocken.
- Geschmacksveränderungen halten an.
- Der Mund schmerzt, ist gerötet, geschwollen oder blutet.
- Schmerzhafte weiße Beläge sind im Mund aufgetreten.
- Sie vermuten ein verschriebenes Medikament als Auslöser.
- Es bestehen weitere Symptome, etwa häufiges Wasserlassen oder trockene Augen.
So läuft es bei DentalBlue ab
Bei DentalBlue in Białystok beginnt die Abklärung mit der Untersuchung von Zähnen, Zahnfleisch und Schleimhaut sowie einem Gespräch über Medikamente. „Wizyta bez bólu“ (Termin ohne Schmerzen) umfasst Panoramaaufnahme, Beratung, Untersuchung und schriftlichen Behandlungsplan und kostet laut Preisliste 300 zł. Die Klinik bietet Vorsorge und professionelle Zahnreinigung an; „Fluoryzacja“ (Fluoridierung) kostet laut Preisliste 100 zł. Endgültiger Umfang und Kosten werden beim Termin festgelegt; Preise können sich ändern. Allgemeinerkrankungen wie Sjögren-Syndrom oder Diabetes diagnostiziert der Haus- oder Facharzt.
Häufig gestellte Fragen
Kann Mundtrockenheit ein Zeichen von Diabetes sein?
Ja. Der NHS nennt Diabetes als Erkrankung, die anhaltende Mundtrockenheit trotz Hausmitteln auslösen kann. Die Übersicht von López-Pintor et al. aus dem Jahr 2016 berichtet Trockenheit bei 12,5 bis 53,5 % der Menschen mit Diabetes. Kommt häufiges Wasserlassen hinzu, wenden Sie sich an Ihren Hausarzt.
Hilft viel Wasser gegen Mundtrockenheit?
Wasser lindert vorübergehend, beseitigt aber die Ursache nicht. Der NHS empfiehlt kaltes Wasser in kleinen Schlucken über den Tag und nachts Wasser am Bett. Bleibt der Mund trotzdem mehrere Wochen trocken, ist ein Arzttermin zur Ursachensuche nötig.
Hilft Kaugummi gegen Mundtrockenheit?
Ja, wenn er zuckerfrei ist. Laut der Übersicht von Villa et al. aus dem Jahr 2015 steigert Kaugummi den Speichelfluss und verringert Schleimhautreibung. NHS und die Leitlinie von ISOO, MASCC und ASCO nennen zuckerfreie Kaugummis und Pastillen als einfache Maßnahmen zur Linderung.
Wie misst man die Speichelmenge?
Dazu wird Speichel über eine bestimmte Zeit in einem Messgefäß gesammelt. Die Übersicht von Villa et al. beschreibt mindestens 5 Minuten Sammeln im Sitzen, morgens nüchtern oder 2 Stunden nach einer Mahlzeit. Ein Ruhewert von 0,1 ml pro Minute oder weniger bedeutet Hyposalivation.
Kann eine alkoholhaltige Mundspülung die Trockenheit verstärken?
Bei Mundtrockenheit empfiehlt der NHS alkoholfreie Mundspülungen; das NIDCR rät, Alkohol insgesamt zu meiden. Wählen Sie eine alkoholfreie Spülung und verwenden Sie sie als Ergänzung, nicht als Ersatz für das Putzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta.
Quellen
- NHS: Dry mouth (2023)
- NIDCR: Dry mouth (2024)
- Therapeutics and Clinical Risk Management: Villa A et al., Diagnose und Behandlung von Xerostomie und Hyposalivation (2015)
- Brazilian Dental Journal: Agostini BA et al., Häufigkeit von Mundtrockenheit, Metaanalyse (2018)
- Drugs in R&D: Wolff A et al., Medikamente als Auslöser von Mundtrockenheit, systematische Übersicht (2017)
- GOV.UK: Delivering better oral health, Kapitel 2, Empfehlungstabellen (2025)
- NHS: Sjögren's syndrome (2024)
- Journal of Clinical Oncology: Mercadante V et al., Leitlinie von ISOO, MASCC und ASCO, Trockenheit nach Krebsbehandlung (2021)
Ein Artikel zur Information. Er ersetzt keine Beratung. Behandlungsentscheidungen werden bei einem Termin getroffen.




