Lässt sich ein am Zahnfleisch abgebrochener Zahn erhalten?
Ein am Zahnfleisch abgebrochener Zahn lässt sich häufig retten. Meist erfordert dies jedoch mehr als einen Eingriff, und manchmal ist die Entfernung der Wurzel die ehrliche Antwort. Die Leitlinien der International Association of Dental Traumatology (IADT) beschreiben Kronen-Wurzel-Frakturen als Brüche, die gewöhnlich unter den Zahnfleischrand reichen, und nennen mehrere Behandlungswege (Bourguignon et al., 2020).
Die IADT nennt kieferorthopädische oder chirurgische Extrusion, Wurzelkanalbehandlung und Wiederaufbau, Belassen der Wurzel unter dem Zahnfleisch, absichtliche Replantation, Zahnentfernung und Transplantation eines eigenen Zahns. Die Wahl hängt laut IADT unter anderem vom Alter und der zu erwartenden Mitarbeit des Patienten ab, in der Praxis außerdem von Wurzellänge, Bruchverlauf und Zahnfleischzustand.
Dasselbe Problem betrifft einen durch Karies bis zum Zahnfleisch zerstörten Zahn und einen wurzelbehandelten Zahn, dessen Krone abgebrochen ist. Die Beurteilung folgt ähnlichen Grundsätzen. Nach einem Trauma muss zusätzlich geprüft werden, ob der Zahn gelockert oder der Knochen gebrochen ist.
Zahn am Zahnfleisch abgebrochen: Was sollten Sie sofort tun?
Suchen Sie nach einem Zahnbruch am Zahnfleisch möglichst schnell einen Zahnarzt auf, am besten noch am selben Tag. Kauen Sie bis dahin nicht auf dieser Seite. Die IADT-Leitlinien sehen vor, dass der Zahnarzt ein bewegliches Fragment bis zur Festlegung des Behandlungsplans vorübergehend stabilisiert, indem er es an Nachbarzähne oder den stabilen Zahnteil klebt.
Über den NFZ, den polnischen Nationalen Gesundheitsfonds, haben Patienten mit Schmerzen Anspruch auf Hilfe am Tag ihrer Vorstellung. Nachts und an arbeitsfreien Tagen besteht ein zahnärztlicher Notdienst (Verordnung des Gesundheitsministers, t.j. Dz.U. 2025 poz. 615, § 6, Rechtsstand: 24. Oktober 2026). Die Notversorgung umfasst Schmerzlinderung und die Sicherung des Zahns, keinen vollständigen Wiederaufbau.
- Bewahren Sie das abgebrochene Fragment auf, wenn Sie es finden, und zeigen Sie es dem Zahnarzt.
- Versuchen Sie nicht, ein bewegliches Fragment selbst zu entfernen oder mit Haushaltskleber zu befestigen.
- Essen Sie weiche Speisen und reinigen Sie die Stelle vorsichtig mit einer weichen Zahnbürste.
- Fahren Sie in eine Krankenhausnotaufnahme (SOR) oder wählen Sie die Notrufnummer 112, wenn nach einer Kopfverletzung Erbrechen, Bewusstlosigkeit, Atemnot oder eine Blutung auftreten, die nach 15 bis 20 Minuten Druck nicht aufhört.
Warum ist gesunde Zahnsubstanz oberhalb des Zahnfleischs wichtig?
Ein Streifen gesunder Zahnsubstanz oberhalb des Zahnfleischs, den die Krone wie einen Ring umschließt (englisch: Ferrule), entscheidet darüber, ob der Aufbau dem Kauen standhält. Eine Literaturübersicht von 2012 beschreibt, dass ein 1,5 bis 2 mm hoher Fassungsring die Bruchfestigkeit erhöht. Ein unvollständiger Ring ist besser als keiner. Lässt sich mit keiner Methode ein solcher Ring erreichen, ist ein ungünstiges klinisches Ergebnis sehr wahrscheinlich (Juloski et al.).
Eine weitere Grenze setzen Zahnfleisch und Knochen. Zwischen Knochenrand und Kronenrand muss Platz für das Gewebe bleiben, das am Zahn ansetzt. Eine Übersicht von 2021 nennt für diese Zone etwa 2,04 mm und empfiehlt mindestens 3 bis 4 mm Abstand zwischen Knochenkamm und Kronenrand (Cordaro et al.).
Reicht der Bruch nahe an den Knochen, lässt sich der Kronenrand nicht auf gesunde Substanz legen, ohne diese Strukturen zu verletzen. Dann muss entweder der Zahn aus dem Knochen herausbewegt oder der Knochen ringsum abgesenkt werden. Mehr zum Ferrule-Effekt erläutert der Artikel zum Zahnaufbau nach einer Wurzelkanalbehandlung.
Wie beurteilt der Zahnarzt einen bis zum Zahnfleisch abgebrochenen Zahn?
Der Zahnarzt beurteilt den Zahn bei der Untersuchung und anhand von Aufnahmen, denn der Bruchverlauf unter dem Zahnfleisch ist mit bloßem Auge meist nicht sichtbar. Bei Kronen-Wurzel-Frakturen empfehlen die IADT-Leitlinien eine intraorale Aufnahme in Paralleltechnik, zwei zusätzliche Aufnahmen aus anderen Winkeln und eine Aufbissaufnahme. Eine digitale Volumentomographie (DVT, CBCT) kommt infrage, wenn Bruchverlauf, Beziehung zum Knochen und Kronen-Wurzel-Verhältnis beurteilt werden müssen.
- Prüfung der Beweglichkeit des Fragments und der Klopfempfindlichkeit des Zahns.
- Sensibilitätstest der Pulpa auf Reize: Eine fehlende Reaktion direkt nach dem Unfall beweist noch keine Pulpanekrose und muss weiter abgeklärt werden.
- Messung der Bruchtiefe unter dem Zahnfleisch und des Abstands zum Knochenrand.
- Beurteilung der Wurzellänge, denn eine kurze Wurzel begrenzt Extrusion und Kronenverlängerung.
- Untersuchung von Biss, Nachbarzähnen und Zahnfleisch, besonders im beim Lächeln sichtbaren Bereich.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es? Eine Übersicht
Die Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden sich in Dauer, Zahl der Eingriffe und darin, wie viel Substanz geopfert werden muss. Die Tabelle zeigt die häufigsten anhand der IADT-Leitlinien und der Übersichtsarbeiten. Die Wahl trifft der Zahnarzt nach Untersuchung und Aufnahmen.
| Möglichkeit | Wann sie infrage kommt | Was sie umfasst |
|---|---|---|
| Stift und Krone ohne Zahnfleischeingriff | Wenn oberhalb des Zahnfleischs genug gesunde Substanz für einen Fassungsring bleibt | Meist Wurzelkanalbehandlung, Stiftaufbau, provisorische und endgültige Krone |
| Chirurgische Kronenverlängerung | Bruch knapp unter dem Zahnfleisch, lange Wurzel, meist außerhalb des sichtbaren Bereichs | Korrektur von Zahnfleisch und Knochen, Heilung, anschließend Krone |
| Kieferorthopädische Extrusion | Tieferer Bruch, gesunde und ausreichend lange Wurzel | Herausbewegen der Wurzel mit einer Zahnspange über mehrere Wochen und Retention |
| Chirurgische Extrusion | Einwurzeliger Zahn mit günstiger Form | Herausziehen der Wurzel im Zahnfach in einem Eingriff und Schienung |
| Belassen der Wurzel unter dem Zahnfleisch | Wenn ein Wiederaufbau unmöglich, der Knochenerhalt aber sinnvoll ist | Kürzen der Wurzel unter das Zahnfleisch und Ersatz des fehlenden Zahns |
| Zahnentfernung | Zu tiefer Bruch, zu kurze oder gerissene Wurzel | Extraktion, anschließend Implantat, Brücke oder Prothese |
Wie funktioniert eine klinische Kronenverlängerung und welche Nachteile hat sie?
Bei der chirurgischen Verlängerung der klinischen Krone legt der Zahnarzt einen unter dem Zahnfleisch verborgenen Zahnteil frei, indem er das Zahnfleisch und meist auch den Knochenrand korrigiert. In einer systematischen Übersicht von 2016 war die Krone nach 6 Monaten im Durchschnitt 1,4 bis 3,3 mm länger. Während der Heilung konnte das Zahnfleisch das freigelegte Zahngewebe jedoch teilweise wieder bedecken, vor allem in den ersten 3 Monaten nach dem Eingriff (Pilalas et al.).
Deshalb wird die endgültige Krone meist erst nach der Heilung angefertigt. Bis dahin schützt eine provisorische Krone den Zahn. Die Übersicht von Cordaro et al. (2021) weist darauf hin, dass so viel Knochen entfernt werden muss, dass mindestens 4 mm gesunde Zahnsubstanz freiliegen. Dies kann das Kronen-Wurzel-Verhältnis deutlich verschlechtern und auch die Abstützung der Nachbarzähne schwächen.
Aus diesem Grund rät dieselbe Übersicht von der Kronenverlängerung eines einzelnen Zahns im sichtbaren Bereich des Lächelns ab, wo die veränderte Zahnfleischlinie auffallen würde. Den gleichnamigen ästhetischen Eingriff bei kurzen Zähnen und Zahnfleischlächeln erläutert ein eigener Artikel.
Wie unterscheiden sich kieferorthopädische und chirurgische Extrusion?
Bei der kieferorthopädischen Extrusion wird die Wurzel mit einer Zahnspange langsam aus dem Knochen herausbewegt, bis der Bruchrand oberhalb des Zahnfleischs liegt. Eine Literaturübersicht von 2012 empfiehlt, dies bei Zähnen ohne Krone eher als eine chirurgische Kronenverlängerung zu erwägen (Juloski et al.), weil kein Knochen um die Nachbarzähne entfernt werden muss.
Nach der Übersicht von Cordaro et al. (2021) dauert die kieferorthopädische Extrusion durchschnittlich 4 bis 6 Wochen. Anschließend muss der Zahn 4 Wochen bis 6 Monate in seiner neuen Position gehalten werden. Manche Zahnärzte durchtrennen wöchentlich die Zahnfleischfasern, und am Ende ist gelegentlich eine Zahnfleischkorrektur nötig. Gegenanzeigen sind unter anderem eine Verwachsung von Wurzel und Knochen, eine kurze Wurzel sowie unbehandelte Parodontitis oder ein Befund an der Wurzelspitze.
Die chirurgische Extrusion verlagert die Wurzel in einem Eingriff innerhalb desselben Zahnfachs nach außen. Eine Schiene stabilisiert sie, gewöhnlich für 1 bis 3 Wochen. In einer Übersicht über 243 so behandelte Zähne gingen 5 % verloren, bei 30 % trat eine nicht fortschreitende Wurzelresorption auf. Randomisierte Studien lagen nicht vor (Elkhadem et al., 2014). Bei mehrwurzeligen Zähnen mit ungünstiger Form ist die Methode kontraindiziert.
Stift, Krone oder Wurzelentfernung: Wie fällt die Entscheidung?
Bleibt nach dem Herausbewegen der Wurzel oder auch ohne dieses Vorgehen genug Substanz oberhalb des Zahnfleischs für einen Fassungsring, wird der Zahn meist wurzelbehandelt und mit Stift und Krone aufgebaut. Der Stift hält den Aufbau, er verstärkt die Wurzel nicht. In einer Metaanalyse von 13 randomisierten Studien verringerten Stifte die Misserfolgsrate unter Kronen, bei direkten Füllungen zeigte sich dieser Unterschied nicht (Jardim et al., 2025).
Die Wurzel wird besser entfernt, wenn der Bruch tief in sie hineinreicht, sie zu kurz ist oder längs gerissen ist, wie im Artikel zum gerissenen Zahn beschrieben. Die IADT nennt auch das Belassen einer gekürzten Wurzel unter dem Zahnfleisch. Dies kann helfen, Knochen für späteren Zahnersatz zu erhalten, wenn sich der Zahn nicht wiederaufbauen lässt.
In der Preisliste der Klinik ist „Chirurgiczne wydłużenie korony“ (chirurgische Kronenverlängerung) mit „ab 300 zł“ angegeben. „Odbudowa zęba z wkładem na włóknie szklanym“ (Zahnaufbau mit Glasfaserstift) kostet 1 000 zł, „Korona tymczasowa“ (provisorische Krone) 250 zł, „Korona pełnocyrkonowa“ (Vollzirkonkrone) 3 000 zł und „Operacyjne usunięcie korzenia“ (operative Wurzelentfernung) 500 zł. Den endgültigen Umfang und die Kosten der Behandlung nennt der Zahnarzt nach der Beratung. Die Preise können sich ändern.
So läuft es bei DentalBlue ab
Bei DentalBlue in Białystok lässt sich ein am Zahnfleisch abgebrochener Zahn vor Ort beurteilen: Intraorale Aufnahmen, Panoramaröntgenbilder und DVT (CBCT) entstehen in der eigenen Röntgenabteilung der Klinik. Die Klinik bietet Wurzelkanalbehandlungen unter dem Mikroskop sowie prothetische, kieferorthopädische und chirurgische Behandlungen an; über das Vorgehen entscheidet der Zahnarzt nach der Untersuchung. Bei Schmerzen können Sie einen Termin „Wizytę z bólem“ (Termin bei Schmerzen, 340 zł) wahrnehmen, der eine Panoramaaufnahme, Beratung, Untersuchung und Schmerzlinderung umfasst. Die Klinik ist montags bis freitags von 8:00 bis 20:00 und samstags von 8:00 bis 16:00 geöffnet.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert die kieferorthopädische Extrusion eines Zahns?
Laut einer Übersicht von 2021 dauert das Herausbewegen der Wurzel mit einer Zahnspange durchschnittlich 4 bis 6 Wochen. Die anschließende Stabilisierung in der neuen Position dauert je nach Behandlungsziel 4 Wochen bis 6 Monate (Cordaro et al.). Danach folgen Wiederaufbau und Krone. Insgesamt sind daher meist mehrere Monate nötig.
Wird nach einer Kronenverlängerung sofort die endgültige Krone eingesetzt?
Meist nicht. Nach dem Eingriff kann sich der Zahnfleischrand noch verschieben, vor allem in den ersten 3 Monaten (Pilalas et al., 2016). Deshalb schützt bis zur Heilung eine provisorische Krone den Zahn. Den Zeitpunkt für die endgültige Krone legt der Zahnarzt bei einer Kontrolle fest.
Muss eine nach einem Zahnbruch verbliebene Wurzel entfernt werden?
Nicht immer. Eine ausreichend lange Wurzel mit gesundem umgebendem Gewebe lässt sich häufig nach Extrusion oder Kronenverlängerung wiederaufbauen. Ist dies nicht möglich, entfernt der Zahnarzt sie oder belässt sie nach den IADT-Leitlinien gekürzt unter dem Zahnfleisch. Eine nach einem Bruch verbliebene Wurzel muss auch ohne Schmerzen beurteilt werden.
Zahlt der NFZ für die Rettung eines am Zahnfleisch abgebrochenen Zahns?
Teilweise. Der NFZ finanziert Zahnentfernung, Füllungen und Notversorgung. Wurzelkanalbehandlungen umfassen bei den meisten Erwachsenen Schneide- und Eckzähne, Schwangeren und Wöchnerinnen stehen sie an allen Zähnen zu. Stiftaufbauten und prothetische Kronen gehören nicht zum Standardleistungskatalog. Der Umfang der Kostenübernahme hängt von der Indikation und den Ansprüchen des Patienten ab (Rechtsstand: 24. Oktober 2026).
Quellen
- Dental Traumatology: Bourguignon C et al., IADT-Leitlinien, Frakturen und Luxationen bleibender Zähne (2020)
- Juloski J et al., J Endod: Ferrule-Effekt bei wurzelbehandelten Zähnen, Übersicht (2012)
- Cordaro M et al., Int J Environ Res Public Health: kieferorthopädische und chirurgische Extrusion, Übersicht (2021)
- Pilalas I, Tsalikis L, Tatakis DN, J Clin Periodontol: Kronenverlängerung vor der Restauration, systematische Übersicht (2016)
- Elkhadem A et al., Dent Traumatol: Komplikationen der chirurgischen Extrusion, systematische Übersicht (2014)
- Plotino G et al., Int Endod J: chirurgische Extrusion, Replantation und Autotransplantation, ESE-Übersicht (2020)
- Jardim JS et al., J Dent: Benötigt ein wurzelbehandelter Zahn einen Stift?, Metaanalyse (2025)
- ELI: Rozporządzenie MZ w sprawie świadczeń gwarantowanych z zakresu leczenia stomatologicznego, t.j. Dz.U. 2025 poz. 615
Ein Artikel zur Information. Er ersetzt keine Beratung. Behandlungsentscheidungen werden bei einem Termin getroffen.




