Warum setzt man Implantate nicht in wachsenden Knochen ein?
Ein Implantat wird nicht eingesetzt, solange die Gesichtsknochen wachsen, weil es fest mit dem Knochen verwächst und sich nicht wie ein eigener Zahn bewegt. Heij et al. (2006) vergleichen das Implantat mit einem mit dem Knochen verwachsenen Zahn (einem ankylosierten Zahn): Während der Kiefer wächst und die Nachbarzähne weiter herauswachsen, bleibt das Implantat zurück.
Die Folge ist eine Infraokklusion: Die Implantatkrone liegt unter dem Niveau der Nachbarzähne. In der Studie von Thilander et al. (1994) mit 15 Jugendlichen trat dies bei Patienten mit verbliebenem Gesichtsschädelwachstum auf. Die Autoren betonten, dass die Reife von Skelett und Gebiss zählt, nicht das kalendarische Alter.
Solche Veränderungen betreffen nicht nur junge Menschen. Bernard et al. (2004) maßen bei Implantaten im Oberkieferfrontbereich einen Höhenunterschied von 0,1 bis 1,65 mm bei Personen zwischen 15,5 und 21 Jahren. Einen ähnlichen Unterschied von 0,12 bis 1,86 mm fanden sie auch bei Erwachsenen zwischen 40 und 55 Jahren.
In welchem Alter endet gewöhnlich das Wachstum der Gesichtsknochen?
Implantate werden gewöhnlich ab einem Alter von 18 Jahren eingesetzt. Cleveland Clinic nennt dies als typisches Mindestalter und betont, dass das Wachstum abgeschlossen sein muss. Das Alter ist jedoch nur ein Anhaltspunkt, da die Reifung individuell und zwischen den Geschlechtern unterschiedlich verläuft.
Fudalej et al. (2007) untersuchten Aufnahmen von 301 Personen. Das Gesichtsknochenwachstum setzte sich nach der Pubertät fort, unterschied sich im zweiten Lebensjahrzehnt zwischen Mädchen und Jungen und wurde danach klinisch unbedeutend. Heij et al. (2006) warnen, dass bei Menschen mit sehr kurzem oder sehr langem Gesicht auch nach dem 20. Lebensjahr ein Veränderungsrisiko besteht.
Die Frage nach einem Implantat mit 16 betrifft daher meist eine Phase, in der das Gesicht noch wächst. Bei Jugendlichen wird das Implantat deshalb gewöhnlich für später geplant und die Lücke vorübergehend versorgt.
Wie prüft der Arzt, ob das Knochenwachstum abgeschlossen ist?
Das Wachstumsende wird anhand von Aufnahmen beurteilt, nicht allein anhand des Lebensalters. Fudalej et al. (2007) entwickelten Tabellen, die helfen, den Zeitpunkt für Fernröntgenseitenbilder des Schädels zu bestimmen. Durch den Vergleich dieser Aufnahmen lässt sich prüfen, ob das Gesichtswachstum aufgehört hat.
Die Entscheidung treffen meist Kieferorthopäde, Chirurg und Prothetiker gemeinsam, weil ein Implantat bei einem jungen Menschen die Vorbereitung von Platz, Knochen und Zahnfleisch erfordert. Kokich (2004) beschreibt bei angeboren fehlenden seitlichen Schneidezähnen Probleme wie eine zu schmale Lücke, eng stehende Nachbarwurzeln oder zu dünnen Knochen. Für die Implantatplanung selbst ist eine DVT (CBCT) nötig.
Dieselbe Vorsicht gilt für Erwachsene mit sehr kurzem oder langem Gesicht, deren Zähne sich laut Heij et al. auch nach dem 20. Lebensjahr noch verlagern können. Hier kann der Arzt den Biss länger beobachten und das Risiko eines späteren kleinen Höhenunterschieds an der Implantatkrone genauer besprechen.
Ist ein Zahnimplantat bei Jugendlichen überhaupt möglich?
Ein Implantat bei Jugendlichen kommt nur in besonderen Situationen nach sorgfältiger Risikoabwägung infrage. Die Übersicht von Bohner et al. (2019) umfasste 493 Implantate bei 147 Patienten zwischen 3 und 18 Jahren, meist mit ektodermaler Dysplasie (angeborenem Fehlen vieler Zähne) oder nach einem Unfall. Implantiert wurde vorwiegend im Frontbereich von Ober- und Unterkiefer bei Kindern über 10 Jahren.
Die wichtigsten Komplikationen waren Infraokklusion im Oberkiefer und eine Rotation der Implantate im Unterkiefer. Bis zum Wachstumsabschluss waren Kontrollen und Anpassungen des Zahnersatzes nötig. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass Implantate in wachsenden Knochen nur unter besonderen Umständen erwogen werden sollten.
Hwang und Wang (2007) nennen das Jugendalter als relative Kontraindikation für Implantate. Für die meisten Jugendlichen mit einer Zahnlücke ist daher eine vorübergehende Versorgung angemessen; nach Wachstumsabschluss wird die Implantatentscheidung erneut geprüft.
Fehlender Zahn bei Jugendlichen: Was tun bis zum Implantat?
Eine Zahnlücke bei Jugendlichen wird bis zur Implantation so versorgt, dass Platz und Knochen erhalten bleiben. Die American Academy of Pediatric Dentistry (AAPD) betont in ihren Leitlinien von 2024: Öffnet der Kieferorthopäde Platz für ein späteres Implantat, muss dieser mit einem provisorischen Zahnersatz erhalten werden.
Bei angeboren fehlendem seitlichem Schneidezahn ist auch ein kieferorthopädischer Lückenschluss möglich, bei dem der Eckzahn an die Stelle des fehlenden Zahns bewegt wird. Laut AAPD bevorzugen Patienten meist den Lückenschluss gegenüber Implantaten. Bei fehlendem Prämolaren nennen die Leitlinien den Erhalt des Milchzahns, eine Prothese, den Lückenschluss oder die Verpflanzung eines eigenen Zahns (Autotransplantation).
- Klebebrücke an den Nachbarzähnen: Eine Übersicht mit 29 Studien ergab Überlebensraten von 91,4% nach 5 Jahren und 82,9% nach 10 Jahren (Thoma et al., 2017).
- Teilprothese oder Schiene mit einem ergänzten Zahn, die der Patient herausnehmen kann.
- Erhalt eines verbliebenen Milchzahns, sofern er in gutem Zustand ist. Die AAPD warnt allerdings, dass ein absinkender, mit dem Knochen verwachsener Zahn den Knochendefekt vor einem späteren Implantat vergrößern kann.
- Dekoronation eines mit dem Knochen verwachsenen Zahns: Die Krone wird entfernt, die Wurzel bleibt erhalten. Laut AAPD hilft dies, Knochen bis zur Implantation zu bewahren.
- Kinderprothese: Sie gehört bis zum 18. Lebensjahr zu den kieferorthopädischen Leistungen des NFZ, des polnischen Nationalen Gesundheitsfonds (Verordnung des Gesundheitsministeriums, t.j. Dz.U. 2025 poz. 615, Rechtsstand: 12. Oktober 2026).
Welche Versorgung passt zu welchem Alter?
Die Versorgung einer Zahnlücke hängt vor allem davon ab, ob Knochen und Zähne noch wachsen. Die Übersicht dient der Orientierung. Die Wahl trifft der Arzt nach der Untersuchung, bei jungen Patienten oft ein ganzes Team aus Kieferorthopäde, Chirurg und Prothetiker.
| Alter | Typische Versorgung | Begründung |
|---|---|---|
| Schulkind | Beobachtung, Platzhalter, Kinderprothese | Knochen und Zähne wachsen stark; ein Implantat würde zurückbleiben |
| Jugendlicher | Klebebrücke, Prothese oder Schiene mit Zahn, Kieferorthopädie | Gesichtswachstum setzt sich nach der Pubertät fort |
| Etwa 18 bis 20 Jahre | Wachstumsabschluss prüfen, Implantatplanung mit DVT (CBCT) | Das Wachstum klingt meist ab; typisches Mindestalter ist 18 |
| Erwachsener | Implantat, Brücke oder Prothese je nach Knochen und Gesundheit | Kleine Zahnverlagerungen kommen auch im Erwachsenenalter vor |
| Senior | Implantat, implantatgetragene Prothese oder Brücke | Alter allein ist kein Hindernis; der Gesundheitszustand zählt |
Gibt es eine obere Altersgrenze für Zahnimplantate?
Eine obere Altersgrenze für Implantate gibt es nicht. Cleveland Clinic sagt dies ausdrücklich, und Srinivasan et al. (2017) kamen zu dem Schluss, dass das Alter allein Implantatbehandlungen nicht begrenzen sollte. In dieser Übersicht lag die Überlebensrate bei Menschen ab 65 Jahren nach 5 Jahren bei 96,2% und nach 10 Jahren bei 91,2%.
Die Übersicht von Schimmel et al. (2018) zu Patienten ab 75 Jahren ergab eine Implantatüberlebensrate von 97,3% nach einem Jahr und 96,1% nach 5 Jahren. Nach Strahlentherapie waren die Ergebnisse schlechter. Bei Knochenmetastasen unter hoch dosierten antiresorptiven Medikamenten bestand ein hohes Komplikationsrisiko; bei niedrigen Dosen zur Osteoporosebehandlung war die Implantatüberlebensrate hoch.
Howe et al. (2019) fanden bei Personen ab 65 Jahren eine etwas niedrigere Überlebensrate nach 10 Jahren von 91,5%. Dies stimmt mit dem Zehnjahresergebnis von Srinivasan et al. überein. Solche Zahlen beschreiben Patientengruppen, nicht einzelne Menschen. Sie sind kein Grund, ein Implantat im höheren Alter von vornherein auszuschließen.
Bei Senioren beurteilt der Zahnarzt daher vor allem Allgemeinerkrankungen, Medikamente und die Möglichkeit täglicher Mundhygiene sowie regelmäßiger Kontrollen. Die Bedeutung von Osteoporosemedikamenten für zahnärztliche Eingriffe erklärt ein eigener Artikel.
So läuft die Implantatberatung bei DentalBlue ab
Bei DentalBlue werden Implantate anhand einer DVT (CBCT) aus der eigenen Röntgenabteilung geplant, die auch Fernröntgenseitenbilder und Panoramaaufnahmen anfertigt. Kieferorthopädie, Chirurgie mit Implantologie und Prothetik arbeiten unter einer Adresse. Bei jungen Patienten kann die Beratung daher eine Bissbeurteilung und die für die Wachstumskontrolle nötigen Aufnahmen umfassen. Über den Implantationszeitpunkt entscheidet der Arzt nach der Untersuchung. In der Preisliste kostet „Konsultacja implantologiczna“ (Implantatberatung) 300 zł und „Cefalometria“ (Fernröntgenseitenaufnahme) 120 zł. Den endgültigen Umfang und die Kosten legt der Arzt bei der Beratung fest; die Preise können sich ändern.
Häufig gestellte Fragen
Kann ein 17-Jähriger ein Zahnimplantat bekommen?
Meist noch nicht. Bei vielen Menschen wachsen die Gesichtsknochen mit 17 Jahren noch. Ein zu früh eingesetztes Implantat kann mit der Zeit unter dem Niveau der Nachbarzähne liegen. Bis zum Wachstumsabschluss lässt sich die Lücke etwa mit einer Klebebrücke, Prothese oder Schiene mit Zahn versorgen.
Lässt sich ein in jungen Jahren eingesetztes Implantat später korrigieren?
Nur teilweise. Ein Implantat verhält sich wie ein mit dem Knochen verwachsener Zahn und lässt sich daher nicht wie ein eigener Zahn verschieben. Bohner et al. (2019) beschreiben, dass implantatgetragener Zahnersatz bei wachsenden Patienten bis zum Wachstumsende regelmäßig kontrolliert und angepasst werden musste.
Kann ein 80-Jähriger ein Implantat bekommen?
Ja, das Alter allein schließt ein Implantat nicht aus. Eine Studienübersicht zu Patienten ab 75 Jahren ergab nach 5 Jahren eine Überlebensrate von 96,1%. Die Entscheidung hängt von Gesundheit, Medikamenten, Knochen und der Möglichkeit zur Mundhygiene ab. Das beurteilt der Zahnarzt bei der Beratung.
Bedeutet eine fehlende Zahnanlage bei einem Kind, dass später ein Implantat nötig ist?
Nicht immer. Die AAPD-Leitlinien von 2024 nennen mehrere Wege: Erhalt des Milchzahns, kieferorthopädischer Lückenschluss, Verpflanzung eines eigenen Zahns oder später ein Implantat beziehungsweise eine Brücke. Entscheidend sind Alter, Biss, Knochen und Lage der Lücke. Einzelheiten erklärt der Artikel zu fehlenden Zahnanlagen.
Brauchen junge Menschen vor einem Implantat eine kieferorthopädische Behandlung?
Das kann nötig sein, denn die Implantatlücke muss ausreichend breit sein und die Nachbarwurzeln dürfen nicht zu dicht beieinanderstehen. Thilander et al. (1994) betonten, dass genügend Platz für das Implantat geschaffen werden muss, um den Knochen an den Nachbarzähnen zu schützen.
Quellen
- Heij DG et al., Int J Oral Maxillofac Implants: Gesichtswachstum, Zahndurchbruch und Implantate (2006)
- Thilander B et al., Eur J Orthod: Implantate bei Jugendlichen (1994)
- Fudalej P et al., Am J Orthod Dentofacial Orthop: Ende des vertikalen Gesichtswachstums (2007)
- Bernard JP et al., J Clin Periodontol: vertikale Veränderungen an Implantaten bei jungen und reifen Erwachsenen (2004)
- Bohner L et al., Br J Oral Maxillofac Surg: Implantate bei wachsenden Patienten, Übersicht (2019)
- AAPD: Management of the developing dentition and occlusion in pediatric dentistry (2024)
- Srinivasan M et al., Clin Oral Implants Res: Implantate bei älteren Menschen, Metaanalyse (2017)
- Cleveland Clinic: Dental implants (2026)
Ein Artikel zur Information. Er ersetzt keine Beratung. Behandlungsentscheidungen werden bei einem Termin getroffen.




